Gegenwelten Diskurse

 

GEGENWELTEN DISKURSE

 

Ein gutes Jahr bevor die Ausstellungen auf Schloss Ambras und im Roemer- und Pelizaeus-Museum eröffnen, startet eine Forschungsreihe, an der Institutionen in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Österreichs und der Schweiz beteiligt sind. In einem lockeren Rhythmus (mit einer kleinen Winterpause) werden in Gesprächsrunden, auf Symposien in Filmscreenings und in Workshops von Wissenschaftlern und Künstlern die verschiedensten Facetten des Themas untersucht. Der Schwerpunkt liegt im Gespräch und der Diskussion. Die Veranstaltungen sind nicht nach Disziplinen strukturiert, sondern nehmen sich ein übergeordnetes Thema oder eine Fragestellung zum Ausgangspunkt der Untersuchung. Dieser Ansatz ermöglicht es, in jedem Workshop sehr unterschiedlichsten Fachrichtungen miteinander ins Gespräch zu bringen und gemeinsam außergewöhnliche Perspektiven zu entwickeln.

An allen Gesprächsrunden ist die Projektleitung beteiligt.
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Filmabend und Podiumsdiskussion

23. August 2012, 19h00
Filmcasino Wien
http://www.kunsthallewien.at/cgi-bin/event/
http://www.filmcasino.at/


“Faktion und Fiktion”

 

Ulrike Ottinger, Fräulein Mausi und Paulchen, aus der Serie Freak Orlando, 1981 © Ulrike Ottinger

Leitung: Verena Konrad, Kunsthalle Wien. Mit Ulrike Ottinger, Matthias Christen und Kurt Mayer
In Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Wien.

Im Rahmen der Ausstellung “Parallelwelt Zirkus” präsentiert die Kunsthalle Wien von 4. Mai bis 2. September Positionen zeitgenössischer Kunst, die den Zirkus als Ort der Generaltransgression von Wirklichkeit thematisieren. Ein wichtiger Aspekt, das Zeigen von Absonderlichem, von Freaks, das Aufdecken gesellschaftlicher und sozialer Tabus, ist vor allem in den Werken von Ulrike Ottinger präsent, die im Rahmen der Ausstellung u.a. ihren Film “Freak Orlando” zeigt. 
Die Kunsthalle Wien möchte zum Ende der Ausstellung gemeinsam mit dem Forschungs- und Ausstellungsprojekt “Gegenwelten” einen Filmabend mit einem anschließendem, hochkarätig besetzten Podium veranstalten, das “Faktion und Fiktion” im Werk von Ulrike Ottinger diskutieren soll.

Aufzeichnung des Filmgesprächs mit Ulrike Ottinger

 

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Gesprächsrunde

13. September, 16h00 bis 15. September 2012, 12h00
Gavorrano/Maremma, Castello


„Bewußt – Unbewußt“

 

Gavorrano – Pozzo Roma

Leitung: Kurt Grünewald, Medizinische Universität Innsbruck. Mit Heinrich Schmidinger, Elisabeth v. Samsonow, Rosanna Dematté, Hans Unterdorfer, Anna Sieber-Ratti, Leonardo Cambri, Gerhard Krexner.
In Zusammenarbeit mit den Gavorraneser Gesprächen 2012.

Es gibt wenige Dinge derer wir sicher sein können. Fremdes kann ängstigen. Aber was ist uns wirklich vertraut? Konstruieren wir Gegenwelten als Kontrapunkte zu uns selbst? Facetten und Gründe unterschiedlicher Wahrnehmung sollen diskutiert werden. Ziel ist es Neues zu hören, zu sehen und als Kultur zu erleben.

Bildeindrücke

 

 

Live-Mitschnitte der Gesprächsrunde:

01. Einführung Christoph Bertsch und Viola Vahrson

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02. Einführung Kurt Grünewald

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03. Heinrich Schmiedinger zu Gegenwelten

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04. Gerhard Krexner zu Gegenwelten

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05. Neue Technologien und Kunst zu verantwortende Gegenwelten

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06. Noetige Grenzen/ Überschreitungen

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07. Zeitverschiebungen

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08. Gegenwelten zum Utilitarismus

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09. Schnecken (siehe Video unten)

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10. Wertsysteme Entfremdung

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11. Wertsysteme Kunst

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Leonardo Cambri, Lumache, 2009

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Symposium

13. Dezember 2012, ganztägig
Universität Innsbruck, Institut für Architekturtheorie
http://www.uibk.ac.at/fakultaeten/architektur/


Ministaaten

Leitung: Bart Lootsma, Universität Innsbruck. Mit Verena Konrad, Andreas Oberprantacher, Panajota Panotopoulou, Peter Volgger.

Es gibt zahllose Gründe warum immer wieder in der Geschichte kleine Territorien sich abgrenzen von der umgebenden Welt – oder als kleines Fragment übrig geblieben sind. Zwischen wirtschaftlichen Vorteilen (Special Economical Zones) über gesellschaftliche Utopien (Christiana) bis zu künstlerischen Idealen (Atelier van Lieshout): fast alles kann ein Grund sein sich abzukapseln. Ministaaten sind zumeist Staaten, die durch lange historische Prozesse auf ein kleines Territorium reduziert wurden und irgendwie nicht desto trotz überlebt haben oder sogar sehr erfolgreich geworden sind in ihrer Autonomie, wie Luxemburg, Monaco und der Vatikan. Manche sind sogar sehr erfolgreich. Sie leben entweder von weltumspannenden Netzwerken (Vatikan, Luxemburg) oder von den ständig leicht abweichenden Gesetzen (Monaco, Luxemburg), die Firmen und Reiche anziehen sich dort zu festigen. Special Economical Zones sind Regionen innerhalb eines Landes, die andere Gesetze haben, vor allem im wirtschaftlichen Bereich. Dadurch können sie wirtschaftlich und räumlich schneller wachsen. Bekannt sind die Chinesischen Beispiele, aber es gibt Special Economical Zones in der ganzen Welt: vor allem in den Staaten der ehemaligen Soviet Union und in Entwicklungsländer. Pläne und Vorschläge dazu gibt es seit den Neunzigern zunehmend auch in Europa. Der Lonely Planet Führer, Micro Nations´ präsentiert etwa 50 winzige Nationen die mit unterschiedlichen Motiven zustande gekommen sind. Unter „Serious Business“ räumt das Buch einen Platz ein für Christiana und „The Gay & Lesbian Kingdom of the Coral Sea Islands“; unter „My Backyard, My Nation“ finden wir kleine Reiche, die Menschen buchstäblich in ihren Gärten gegründet haben sowie „Grand Dreams“ versammelt. Dies sind Territorien innerhalb größerer, anerkannter Staaten, die sich tatsächlich auf Grund eines Traumes einfach unabhängig erklärt haben. Viele Freistaaten verfolgen die gleichen oder ähnliche Muster, sind aber bedeutend größer im Umfang. In der Architektur wird von einigen Architekten und Theoretikern seit Ende der fünfziger Jahre eine Art von Entwerfen gesucht, die kleineren Freiräume als ein „Dazwischen“ in größeren Bauten oder Komplexen entstehen lässt. Im Allgemeinen können wir feststellen, dass alle diese Versuche, abweichende Territorien zu gründen, bewusst oder als Nebeneffekt räumliche Konsequenzen haben, ob es nun eine abweichende Baukultur oder starke Verdichtungen innerhalb oder gerade außerhalb der Grenzen betrifft. In dem eintägigen Symposium “Ministaaten” werden diese räumlichen Effekte untersucht und diskutiert.
Programm

10.00 Uhr Prof Ir. Bart Lootsma, Begrüßung

10.10 Uhr Prof. Dr. Viola Vahrson, Vorstellung des Projektes Gegenwelten

10.20 Uhr Prof. Ir. Bart Lootsma, Einführung in das Thema „Ministaaten“

10.45 Uhr Univ.-Ass. Mag. Dr. Peter Volgger, From Other Spaces

11.30 Uhr Pause

11.45 Uhr DI Panajota Panotopoulou, Transurbanismus

12.30 Uhr Mittagspause

14.00 Uhr Ass.-Prof. Dr. Andreas Oberprantacher, Corporate Chartered Cities? Oder: Die Polizei, die Paul Romer meint

14.30 Uhr Univ.-Prof. Ir. Bart Lootsma, Atelier Van Lieshout: The Good, the Bad and The Ugly

15.30 Uhr Abschlussrunde

Bildeindrücke

 

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Workshop

29. November 2012
Stiftung Universität Hildesheim
http://www.uni-hildesheim.de/index.php?id=uni


Hirn und Hoden

 

Universität Hildesheim, Domäne Marienburg

Leitung: Thomas Lange, Universität Hildesheim. Mit Nicolaj van der Meulen, Christian Schärf, Toni Tholen und Viola Vahrson

“Das Gehirn gleicht den Hoden” schreibt Novalis im Allgemeinen Brouillon. Im Zusammendenken des Gegensätzlichsten stellt sich die Affinität der Romantik für Gegenwelten scharf heraus. Es ist dies ein notwendiges Zusammendenken (und die Einsicht in das Zusammengehen) von sich scheinbar ausschließenden Gegensätzen, wie das Sinnliche und das Systematische; Zeichnung und Farbe; Reales und Ideales; Weibliches und Männliches etc., welches produktiv für das Denken der Romantik wird. Der Workshop will den für die künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeiten der Romantik konstitutiven Einsichten in die notwendigen Zusammenhänge von Gegenwelten nachgehen und über deren Wirkung bis in die Gegenwart nachdenken.

 

Live – Mitschnitt der Gesprächsrunde

Leitung: Thomas Lange. Mit Nicolaj van der Meulen, Christian Schärf, Toni Tholen und Viola Vahrson.

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Bildreferenzen

 

Philipp Otto Runge, “Die Eltern des Künstlers”, 1806

Caspar David Friedrich, “Mönch am Meer”, 1808-10

 

Caspar David Friedrich, “Abtei im Eichwald”, 1809-10

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Gesprächsrunde/ Workshop

16. März 2013, ganztägig
Goethe-Institut Amsterdam
http://www.goethe.de/ins/nl/ams/deindex.htm?wt_sc=rotterdam

“Gegenallianzen”

 

Leopold Kessler: “Schnorrer”, 2006-09, Courtesy Galerie Andreas Huber

Leitung: Johan Frederik Hartle, Universität Amsterdam. Mit Matthijs de Bruijne, Alice Creischer, Leopold Kessler, Sven Lütticken, Andreas Siekmann, Ruth Sonderegger.

Im Workshop geht es um alternative Kooperationen und künstlerische Projekte außerhalb, jenseits und in Opposition zu den etablierten Kunstinstitutionen. Der weitere Fragenhorizont betrifft die Geschichte der Institutionskritik und die Konstruktion ästhetischer Demokratie.

Live-Mitschnitte der Gesprächsrunde:

01. Johan Frederik Hartle / Leopold Kessler

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02. Alice Creischer / Sven Lütticken / Andreas Siekmann

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03. Matthijs de Bruijne / Ruth Sonderegger

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Tagung

18. – 19. April 2013
Bern, Hochschule der Künste
http://www.hkb.bfh.ch/de/

Gegenwelten: Nicht(s)tun. Von Unterbrechungen und Widerständigkeiten in der Kunst

 

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Zum Start der internationalen Tagung «Gegenwelten: Nicht(s)tun» an der HKB erscheint die neue Ausgabe des Webzines Ding-Dong.

Thema der Ausgabe #5: «Gegenwelten»

Mit Beiträgen zur Subkultur in der DDR, der digitalen Wunderwelt «Second Life», über religiöse Atheisten, konstruierte Welten und vielem mehr.

http://www.ding-dong.ch

Leitung: Anke Hoffmann/ Barbara Mauck, Hochschule der Künste Bern.
Mit Kathrin Busch, UdK Berlin; Bojana Kunst, Institut für Angewandte Theaterwissenschaft, Giessen; M+M, Künstler, München; Karen Mirza/Brad Butler, Künstler_in, London; Jörg Lukas Matthaei/matthaei&konsorten, Künstler, Berlin; Raphael Sbrzesny, Künstler, Stuttgart; Schauplatz International, Künstlergruppe, Bern; Lucie Tuma, Künstlerin/Choreografin, Zürich; Viola Vahrson, Institut für Bildende Kunst/Kunstwissenschaft, Universität Hildesheim; Anne-Käthi Wehrli, Künstlerin, Zürich with the help of GABY; Tim Zulauf, Künstler, Zürich/Dozent Fine Arts HKB mit Nistiman Erdede und Gaststimmen sowie Anke Hoffmann, Kulturwissenschaftlerin/wiss. MA HKB, Barbara Mauck, Kunstwissenschaftlerin, HKB.
Mit Installationen von James Benning,US; Eiko Grimberg, D und San Keller, CH.

Das Tun, zumal das kreative Tun, ist gesellschaftliches Dispositiv unter den Bedingungen des kognitiven Kapitalismus. Das Nicht(s)tun verweigert sich diesem Performativitätsdruck, verweist auf eine (noch) nicht vereinnahmte Potentialität und widersetzt sich sozialer Disziplinierung und ökonomisierter Zeitlogik. Was bedeutet es, wenn aus dem Nicht(s)tun als Haltung eine Handlung entsteht? Künstler_innen haben immer wieder mit Praktiken des Unproduktiven, des Verweigerns oder der Unterlassung, des Entzugs oder der Verzögerung auf gesellschaftliche Fragestellungen reagiert. In einer internationalen Tagung sollen die Kontexte und Formen aktueller künstlerischer Beschäftigung mit den Formen des Nicht(s)tuns in einem Miteinander von diskursiven und künstlerischen Beiträgen vorgestellt und diskutiert werden.
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Studientag

14. Juni 2013
Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Rom
http://www.biblhertz.it/home/


„Die Kunst- und Wunderkammer als Gegenwelt“

 

Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Rom

Leitung: Philine Helas, Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Rom. Mit Nike Bätzner, Tatjana Bartsch, Robert Felfe, Angela Mayer-Deutsch, Veronika Sandbichler.

Das Projekt „Gegenwelten“ hat seinen Ausgangspunkt in der Kunst- und Wunderkammer von Schloß Ambras und erfordert eine Auseinandersetzung mit den historischen Dimensionen dieses Begriffes bzw. vergleichbaren Konzepten vergangener Epochen. Nach dem grundlegenden Werk von Julius Schlosser von 1923 sind die Kunst- und Wunderkammern seit etwa 20 Jahren zu einem zentralen Gegenstand der kunsthistorischen wie der wissenschaftshistorischen Forschung geworden. Es geht dabei ebenso um die Wiedergewinnung des Wissens über einzelne Orte oder Persönlichkeiten, wie um die grundsätzliche Verortung dieses komplexen kulturellen Phänomens. Die Rolle für die Wissensvermittlung und herrscherliche Repräsentation wären hier an erster Stelle zu nennen, aber auch Fragen von Raumkonzeption, Bilderzeugung und epistemischen Strukturen wurden vielfach diskutiert.

Der Studientag möchte hier neue Wege gehen, indem er die Konstruktion von und Relation zu „Gegenwelten“ zum Gegenstand macht. Zum einen kann eine Wunderkammer grundsätzlich als ein Weltentwurf gelten, der die Gesamtwelt spiegelt zugleich aber auch eine Gegenwelt schafft, die eigenen Gestaltungsprinzipien folgt, die Gesamtheit der von Mensch und Natur hervorgebrachten Dinge in eine Ordnung zu bringen sucht, die Zusammenhänge evident macht und dies oft zugleich als Geschichtsentwurf. Das Museum Kircherianum wäre hier als eminentes römisches Beispiel zu nennen, als das Werk eines Gelehrten, das anderen Interessen folgt als die herrscherliche Wunderkammer. Doch kann man den Begriff Gegenwelten in dem Sinne verstehen, dass in den Wunderkammern gerade individuelle Objekte versammelt werden, die sich außerhalb des als „normal“ empfundenen bzw. späterhin durch naturwissenschaftliche Taxonomien als „Standard“ klassifizierten Objektgattungen bewegen. Dieser Fokus auf dem einzelnen, Klassifikationen geradezu überschreitenden Ding bildet von Anbeginn an einen wichtigen Aspekt der Sammlungen. Es kann sich dabei um Objekte aus unterschiedlichen „Gegenwelten“ handeln – um solche aus fernen Ländern, die sich von den einheimischen von Natur und Zivilisation produzierten unterscheiden, ebenso wie um „Monstrositäten“, Abweichungen vom Vertrauten in Form von Missgeburten etwa. Hinzu kommen Artefakte, welche Natur und Kunst verbindend, groteske Körper oder Figurationen aus kostbaren oder ungewöhnlichen Materialen schaffen.
Kunst- und Wunderkammern werden als Ordnungssysteme gedeutet und auf die Relation zu gesellschaftlichen Prozessen, dem naturwissenschaftlichen oder philosophischen Erkenntnishorizont befragt. Die Rolle, welche „Gegenwelten“ dabei haben, zu analysieren, legt sich auch im Hinblick auf ihre potentiell subversive Rolle nahe: Zu fragen wäre etwa, inwieweit dem Monströsem und Marginalsiertem hier auch ein Ort geschaffen wird, der dieses geradezu hervorbringt, die Suche nach dem, das sich dem Ordnungsprinzipen entzieht, zur treibenden Kraft von Sammlungen, die sich schließlich zum 18. Jahrhundert hin eine neue Öffentlichkeit verschaffen bzw. aufgelöst oder neu „sortiert“ werden, wobei die Monstrositäten in der Regel im Depot verschwinden.

Philine Helas

 

Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte Rom

Programm


Freitag, 14. Juni 2013

 

Bibliotheca Hertziana, Kleiner Sitzungssaal

10.00 c.t.
Begrüßung der Teilnehmer

11.00
Besichtigung des Museums des Liceo Visconti (Collegio Romano)
unter Führung von Giorgio Narducci
(mit der Möglichkeit für Hausmitglieder sich anzuschließen)

13.30
Mittagspause

Bibliotheca Hertziana, Villino Stroganoff

14.30
Philine Helas, Rom
Einführung

14.45
Tatjana Bartsch, Rom
„Romruinen als Gegenwelten“

15.30
Robert Felfe, Berlin
„Utopie, Rückzugsort und Traumreise – von den produktiven Abständen zwischen Kunstkammer und Welt“

16.15-16.45
Kaffeepause

16.45
Veronika Sandbichler, Innsbruck
„Welt und Gegenwelt in der Ambraser Kunst- und Wunderkammer Erzherzog Ferdinands II.“

17.15
Angela Mayer-Deutsch, Berlin
„Die Kirchersche Kunstkammer als Gegenwelt“

18.00
Nike Bätzner, Halle
„Ein pietistisches Kuriositätenkabinett. Die Wunderkammer der Franckeschen Stiftungen in Halle“

Kontakt und Information: Philine Helas: helas@biblhertz.it / 06 69993 273

Liceo Visconti – Collegio Romano, Rom

Angela Mayer-Deutsch, Veronika Sandbichler, Robert Felfe, Nike Bätzner, Philine Helas und Tatjana Bartsch (v. l. n. r.)

 

Live-Mitschnitt vom Studientag:

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Wissenschaftliche Workshops/ Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2012/13: (14. – 20. Jänner 2013) Block I, Innsbruck
Sommersemester 2013: (22. – 28. April 2013) Block II, Hildesheim

Lehrveranstaltungen im WS 2012/13 und SS 2013 an den Universitäten in Innsbruck und Hildesheim werden in das Thema Gegenwelten einführen und auf vielfältige Weise zur Diskussion stellen. Durch die Professur für Kunstvermittlung (Viola Vahrson, Hildesheim), Neuere und Neueste Kunstgeschichte (Christoph Bertsch, Innsbruck) und einen zweisemestrigen Lehrauftrag von Ulrich Menter, Ethnologische Abt. des Roemer- und Pelizaeus-Museums (Hildesheim) werden die Studierenden direkt in die Diskussion über die Konzeption der Ausstellungen, die Auswahl der präsentierten Werke und die Inszenierung der Themen und Objekte mit einbezogen.

Workshop Innsbruck vom 14. bis 20. Jänner 2013

Leitung Innsbruck: Prof. Dr. Christoph Bertsch, Rosanna Dematté,
Leitung Hildesheim: Prof. Dr. Viola Vahrson

Mitte Januar haben sich 17 Studierende der Universität Hildesheim unter der Leitung von Viola Vahrson nach Innsbruck aufgemacht, um einen der Ausstellungsorte der „Gegenwelten“ kennen zu lernen. Erstmals trafen die Hildesheimer Studierenden auf ihre Innsbrucker Projektkollegen, die Studierenden des Masterstudiengangs Kunstgeschichte der Universität Innsbruck.

Beide studentischen Gruppen hatten sich im Laufe des Semesters auf unterschiedliche Weise mit dem Ausstellungsprojekt „Gegenwelten“ auseinandergesetzt. Das Zusammentreffen und der Austausch über die unterschiedlichen Ansätze und Herangehensweisen wurden daher gespannt erwartet.
Durch eine Führung der österreichischen Seminarleiter Christoph Bertsch und Rosanna Dematté bekamen die Studierenden die Möglichkeit Schloss Ambras, die Grotte und den verschneiten Schlossgarten zu besichtigen, den Ort an dem die Gegenwelten-Ausstellung im Herbst 2013 in Innsbruck stattfinden soll.
Die Gruppe konnte interessante Einblicke in die Kunst- und Wunderkammer und die geplanten Ausstellungsräume erhalten.
Die besonderen Verhältnisse und Bedingungen zeitgenössische Kunst in den Räumlichkeiten eines alten Renaissance-Schlosses auszustellen, wurden angesprochen, gestalterische Möglichkeiten und eventuelle Problematiken der außergewöhnlichen Ausstellungsverhältnisse diskutiert.
Die Präsentation ausgewählter Objekte aus der Kunst- und Wunderkammer durch die Studierenden der Kunstgeschichte und die Vorstellung der zeitgenössischen Kunstwerke, die in der Ausstellung gezeigt werden sollen, lieferten einen ersten Eindruck von der Konzeption der Gegenwelten-Ausstellung in Schloss Ambras.
Bei der Stadt- und Architekturführung von Rosanna Dematté bzw. Verena Konrad lernten die Studierenden aus Hildesheim die Stadt Innsbruck kennen und auch wie wichtig es ist im Januar in Tirol ein gutes Schuhwerk und eine warme Mütze dabei zu haben.
Zu den eindrücklichsten Programmpunkten der Exkursionswoche gehörten die Besuche in vier Museen und die Vorstellung der unterschiedlichen Ausstellungs- und Vermittlungskonzepte durch die jeweiligen Kuratoren und Leiter der Museen:

Die Studierenden besuchten das neu errichtete Museum des Tirol Panoramas, die vielseitige Ausstellung des Volkskunstmuseums und begutachteten die innovative Ausstellung des Alpen Vereins in der Hofburg Innsbruck zum Thema „Berge, eine unverständliche Leidenschaft“. Zuletzt wurde die Galerie im Taxisparlais besichtigt, in der zeitgenössische Künstlerpositionen zu dem Thema „Der Spiegel des Narziss“ ausgestellt wurden.

Durch die Vorstellung und den direkten Vergleich der unterschiedlichen Ausstellungskonzepte, -organisationen und Vermittlungsprogramme konnte die Gegenwelten-Gruppe aufschlussreiche Einblicke in die Museumswelt und Anregungen für die eigene Ausstellung gewinnen. In den Seminarräumen des Kunstinstituts der Universität wurden diese neu gewonnen Positionen ausgetauscht und auf das Konzept der Gegenwelten-Ausstellungen übertragen.

Die Exkursionswoche brachte für alle Teilnehmer einige Anregungen, neue Ideen und interessanten Austausch mit. Durch die Seminare und Diskussionen zum Thema der Ausstellung, die Annährung an die Vielseitigkeit des Begriffs Gegenwelten durch Impulsreferate und die Vorstellung der Ausstellungsräumlichkeiten und Kunstwerke, bekamen alle die Möglichkeit dem Projekt „Gegenwelten“ näher zu kommen.

Ein abschließendes Highlight der Exkursionswoche war für die Hildesheimer der Ausflug in die luftigen Höhen von Innsbruck, der Besuch und die Besteigung des verschneiten Gipfels der Nordkette.

(Text: Nele Beck, Februar 2013)

 


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Wissenschaftliches Symposium

10. – 12. Oktober 2013 Universität Innsbruck
Eröffnungsvortrag: 10. Oktober 2013: Gerhard Wolf, Kunsthistorisches Institut in Florenz – Max Planck Institut.
http://www.uibk.ac.at/theol/index.html.de

Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Christoph Bertsch, Gerd Blum, Reinhold Bichler, Hannes Böhringer, Rolf Elbersfeld, Werner Ernst, Johan Frederik Hartle, Philine Helas, Reinhold Johler, Erich Kistler, Verena Konrad, Thomas Lange, Bart Lootsma, Barbara Mauck, Gerald Matt, Ulrich Menter, Sybille Moser, Andreas Oberhofer, Xenia Ressos, Veronika Sandbichler, Roman Siebenrock, Viola Vahrson, Brigitte Mazohl Wallnig

Ein zweitägiges Symposium an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck mit ca. 15 internationalen Referentinnen und Referenten widmet sich den zentralen Aspekten des Projekts, die sich in den verschiedenen Workshops/Gesprächsrunden/Ausstellungen herausgebildet haben. Das Symposium ist Teil der Forschungsplattform „politik religion kunst. plattform für konflikt- und kommunikationsforschung“ der Universität Innsbruck (Leitung: Brigitte Mazohl Wallnig) und des Herder Kollegs der Stiftung Universität Hildesheim (Leitung: Rolf Elberfeld).

 

Programm

 

Donnerstag, 10. Oktober 2013
15.30 – 19.30

15.30: Begrüßung und Eröffnung: Christoph Bertsch, Brigitte Mazohl, Rektor der Universität Innsbruck Tilman Märk

16.30 – 18.00: Podiumsdiskussion Gegenwelten. Moderation: Viola Vahrson, Hildesheim. Mit: Johan Frederik Hartle, Amsterdam; Bart Lootsma, Innsbruck, Luxemburg; Philine Helas, Rom; Thomas Lange, Hildesheim; Anke Hoffmann, Bern; Gerald Matt, Wien

18.00: Eröffnungsvortrag: Gerhard Wolf, Florenz, Poetik des Inventars

 

ab 19.30 gemeinsames Abendessen

 

Freitag, 11. Oktober 2013
9.s.t. – 11.30 Leitung: Johan Frederik Hartle, Amsterdam

Werner Ernst, Innsbruck: Sind „Gegenwelten“ eine Alternative zu den „Welten von heute“?

Reinhard Johler, Tübingen, High und low. Eine Gegenwelt-Ordnung der Kultur

Roman Siebenrock, Innsbruck: Unsere Heimat aber ist der Himmel. Von der merk-würdigen Ortslosigkeit und Weltliebe eines Christenmenschen in diesem Äon

Erich Kistler, Innsbruck, “Die Figuration CONTRA – von der Kopfgeburt bis zur sozialen Bewegung”

Ferenc Csak, Budapest, Cultural governance and strategy planning in Central and Eastern Europe

 

11.30 – 14.00: Besuch der Ausstellung „Gegenwelten“ im Kunsthistorischen Museum Schloß Ambras, Gespräch mit den Kuratoren der Ausstellung Christoph Bertsch und Viola Vahrson (Bustransfer)

 

15.30 s.t. – 19.00 Leitung: Viola Vahrson, Hildesheim 

Veronika Sandbichler, Innsbruck, Welt und Gegenwelt in der Ambraser Kunst- und Wunderkammer

Philine Helas, Rom, El Pasa Tiempo. Ein enzyklopädischer Zeitvertreib im Zeichen von Kolonialismus und Kapitalismus

Andreas Oberhofer, Der “Tyrolismus” und seine Karikatur: Gegenentwürfe zur heilen Welt

Reinhold Bichler, Brigitte Mazohl, Innsbruck: Geschlechtertausch? Frauen in Gegenwelten in Antike und Neuzeit

Thomas Lange, Hildesheim, Geschichte visualisieren

Hannes Böhringer, Braunschweig, Über Kinder und Neanderthaler

Bart Lootsma,  Innsbruck, The Good, The Bad and The Ugly

Sybille Moser Ernst, Innsbruck, Die Karikatur und das Gesicht der Welt

 

Samstag, 12. Oktober 2013
9.00 s.t. – 13.30 Leitung: Thomas Lange, Hildesheim

Xenia Ressos, Innsbruck, Gegenwelten in der Architektur des 21. Jahrhunderts

Johan Frederik Hartle, Amsterdam: Gegen alle Unwahrscheinlichkeiten. Kunst als Gemeingut

Gerd Blum, Münster, Gegen Gegenwelten. Kunstkritische Kunst

Verena Konrad, Dornbirn, Transgressionsphänomene. Wechselwirkungen zwischen Kunst und Alltag

Gerald Matt, Wien, Parallelwelt Zirkus

Viola Vahrson, Hildesheim, Eyes Wide Shut. Die Erschöpfung des Blicks in der zeitgenössischen Kunst

Anke Hoffman, Bern, Nichtstun “Von der Poesie der angehaltenen Bewegung. Das Nichtstun in der Kunst”

Christoph Bertsch, Innsbruck, Der Garten als Ort außerhalb aller Orte

 

ab 13.30: Abschließendes Mittagessen