Gegenwelten

GESAMTKONZEPT

 

Die Ausprägung von Gegenwelten setzt die Vorstellung und Etablierung von Normen voraus, von Werten, Regeln und Gesetzen, an denen sich der Mensch innerhalb eines gesellschaftlichen Gebildes orientiert. Was aber sind Gegenwelten in einer Welt, die durch nahezu absolute Flexibilität charakterisiert ist, in der die Simultanität aller Ereignisse und aller Diskurse vorherrscht, in der Normen und Werte in einem beständigen Wechsel von Auflösung und Neuformulierung begriffen sind. Selbst Tabuzonen werden permanent aufgelöst und neu definiert. Die Reaktion auf diesen nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche umfassenden, beständigen Wandel besteht häufig in der Einführung engmaschiger Regelsysteme. Zunehmend begegnen wir dem Wunsch nach vermehrter Kontrolle, dem Versuch, Gegenströmungen zu vereinnahmen, Fluchtlinien aufzuspüren und umzubiegen sowie der normativen Ordnung zu unterwerfen.

In dem Projekt Gegenwelten möchten wir diesen gegensätzlichen Bewegungen nachspüren. An welchen Normen orientiert sich unsere Gesellschaft? Aus welchem Grund verlieren diese Formen und Vereinbarungen ihre Kraft und Elastizität, stagnieren und verhärten, so dass Alternativen notwendig werden? Welche Einflüsse tragen zur Marginalisierung der einen und zur Erstarkung der anderen Welt bei? Gegenwelten überschreiten, widersetzen sich, strapazieren das Gebilde, bewegen, konstituieren Welt. Gegenwelten sind keine Parallelwelten, sondern oftmals ineinander verschlungene Konstruktionen. Sie berühren und verletzen sich gerade dann, wenn sie sich voneinander abstoßen.

Ziel des Projektes ist es, herausfinden, wie, wann und wo Gegenwelten entstehen, welche Impulse und welche Milieus für ihre Ausbildung notwendig oder förderlich sind, welcher Nutzen oder welche Gefahr von ihnen ausgeht. Die Kunst wie auch die Wissenschaft spielen innerhalb dieses Systems eine wichtige Rolle. Als unterschiedliche Wissensformationen reflektieren und analysieren sie nicht nur die Welt, sie schaffen sie auch.

An diesem Projekt beteiligen sich zwei Museen (Roemer- und Pelizaeus-Museum, Hildesheim und Kunsthistorisches Museum Schloss Ambras, Innsbruck), insgesamt 7 Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Deutschland, den Niederlanden, Italien, Österreich und der Schweiz, mehr als hundert Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen sowie ca. 35 Künstlerinnen und Künstler und etwa 30 Studierende.

Die Vielfalt der kooperierenden Institutionen, Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ihre Kooperationsbereitschaft, ihr Interesse und ihre Kompetenz schaffen neue Erkenntnisse wie Erfahrungen und bilden die Grundlage für eine nachhaltige Verstätigung der Kontakte und Kooperationen über die geplante Projektdauer hinaus.

 

Das Gegenwelten Projekt umfasst die Bereiche:

 

GEGENWELTEN AUSSTELLUNGEN
GEGENWELTEN DISKURSE
GEGENWELTEN TEILNEHMER/INNEN
GEGENWELTEN PUBLIKATION